Schlagwort: Selbstmord Mutter

Der schwarze Hund

Eigentlich bin ich nicht sicher, ob dieser Post hierhin passt. Aber das Thema beschäftigt mich schon die ganze Woche und es ist ja mein Blog, also kann ich hier ja schreiben, was ich will. Oder?

cord
Heute morgen hab ich bei meinem Samstagskaffee die Zeitung aufgeschlagen und die Todesanzeige von Cordula gelesen. Ich habe es schon am Dienstag erfahren, daß sie tot ist. Eine von ihren Töchtern ist mit Lara zusammen in die Grundschule gegangen, bis sich ihre Wege vor etwa anderthalb Jahren trennten, weil sie nun verschiedene Gymnasien besuchen. Seitdem hab ich Cord auch nicht mehr oft gesehen. Manchmal, wenn sie die jüngere Tochter in die Schule brachte oder abholte. Dann küssten wir uns vielleicht kurz zur Begrüssung, Küsschen rechts, Küsschen links, man fragte etwas wie: „Alles klar bei euch?“ Und da dann beide zum nächsen Termin, zur Arbeit oder sonstwohin rannten (ich zumindest!), kam in solchen Situation nur ein kurzes „ja“. Und wenn ein „nein“ gekommen wäre? Hätte ich dann die Zeit gehabt, zuzuhören? Wahrscheinlich nicht. Anscheinend war bei Cord aber nicht alles klar, sonst würde nun nicht diese hellblaue Todesanzeige vor mir liegen. Cordula war ein lauter Mensch. Sie hat laut gesungen. In der Weihnachtsmesse jedes Jahr. In der Musik-AG, die sie leitete. Sie hat auch laut gesprochen und dabei immer wild gestikuliert. Sie hatte immer etwas zu sagen. Bei manchen Elternabenden auch manchmal zu viel, so dass die Veranstaltung kein Ende nahm Sie hat sich wie eine Löwin eingesetzt für ihre Tochter, die ein Chromosom zuviel hat. Dafür habe ich sie bewundert. Aber die Löwin wurde wohl von von einem schwarzen Hund überwältigt. Und dieser Hund hat sie dann letzte Woche dazu getrieben, in den Tod zu springen. Scheiss-Köter. Er war so viel stärker als Cord, dass sie, um ihm zu entkommen, sogar ihre Kinder zurück gelassen hat. Wie verzweifelt muss jemand sein, das zu tun? Ich kenne den Hund zum Glück nicht persönlich. Der Hund heisst Depression. „Einen schwarzen Hund in seinem Leben zu haben, bedeutet nicht, ein bisschen niedergeschlagen, traurig oder melancholisch zu sein. Im schlimmsten Fall bedeutet es, überhaupt nichts zu fühlen.“

Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch diesen tollen Film anschaut. Es lohnt sich. Und dann konzentrieren wir uns alle wieder ein bisschen mehr auf das Wesentliche, auf das Schöne, auf unsere Familie, auf unsere Mitmenschen… Ok?

Möge es dir gut gehen, da wo du jetzt bist Cord!