Kita-Streik. Oder: Mama, wann kann ich wieder in den Kindergarten?

Home-Office… Der Kita-Streik geht nun in die 3. Woche und ich finde, es reicht jetzt mal. Nun habe ich ja noch das Glück, daß ich selbstständig bin und somit recht flexibel. Aber wirklich arbeiten kann man ja nun mit so einer 5-jährigen neben sich nicht…. Letzte Woche ist meine Mama angereist und hat 4 Tage übernommen. Einen Tag war Sophie mit im Laden, morgen geht sie zu einer Freundin- so hangelt man sich von Tag zu Tag. Für Donnerstag stehe ich auf der Warteliste für einen der kita-streik140 (in Worten einhundertvierzig!) Notfallplätze in Dortmund. Jetzt müsste ich mal recherchieren, wieviel Kita-Plätze es insgesamt hier gibt. Durch googlen habe ich nix rausgekriegt. Weiß das jemand? Sonst müsste ich mich mal ans Telefon klemmen- ist aber nicht so einfach mit einer 5-jährigen neben sich, in Ruhe zu telefonieren…

Ich möchte nun klarstellen, daß ich die Arbeit der Erzieherinnen durchaus schätze und natürlich sollen sie dafür angemessen bezahlt werden.

Aber: ist das der richtige Weg?

Das auf den Schultern der Eltern und Kinder auszutragen? Den Arbeitgeber, der eigentlich leiden sollte, scheint das alles ja nicht großartig zu jucken. Wie der Stern berichtet gibt es gar keine Verhandlungen! „Das ist das große Problem im Arbeitskampf der Erzieherinnen und Erzieher. Er schmerzt die Arbeitgeber überhaupt nicht, er scheint sie nicht einmal zu kratzen. Im Gegenteil, die Städte und Kommunen, die sich weigern, den Eltern die Gebühren für die Streiktage zu erstatten, verdienen sogar noch daran. In diesem Arbeitskampf ist der Streik ein ziemlich stumpfes Schwert, das vor allem da Wunden schlägt, wo eigentlich niemand hinhauen will: bei den Eltern und Kindern.“ schreibt Marc Drewello. Den ganzen Artikel findet Ihr hier.

Ich möchte nochmal klarstellen, daß ich die Arbeit der Erzieherinnen durchaus schätze und natürlich sollen sie dafür angemessen bezahlt werden!

Aber: haben wir denn nicht auch Rechte?

Das Recht auf Betreuung unserer Kinder? Das Recht auf die Möglichkeit unserer Arbeit nachzukommen? Zudem bezahlen wir ja nun auch einige hundert Euro monatlich dafür!
Ich erinnere mich noch gut an den letzten großen Streik 2009. Damals waren wir nach fast vier Jahren in Frankreich gerade seit ein paar Monaten wieder in Deutschland. (Daß die Kinderbetreuung in Frankreich ganztägig kostenlos ist und herrlich durchorganisiert wißt Ihr, oder?) Lara war derzeit ein angehendes Schulkind und freute sich besonders auf die Übernachtung im Kindergarten und das Theaterstück, das die Vorschulkinder auf dem Sommerfest vorführen wollten. Durch den damaligen Streik fiel das Theaterprojekt ganz aus. Die Übernachtung fand zwar statt, aber in einem deutlich redzierten Rahmen. Wahrscheinlich wird es dieses Jahr ähnlich sein…

Die Leiterin unserer Einrichtung ist nicht in der Gewerkschaft. 2009 hat sie den Betrieb fortgesetzt, sehr zur Freude der Eltern! Vor der Tür standen täglich bis zu 30 Streikposten von ver.di, die die arbeitenden Erzieherinnen als „Streikbrecher“ beschimpften und sich teilweise den Müttern und Kindern in den Weg stellten. Nachmittags fand man dann ganze Berge von ausgedrückten Kippen vor der Tür. Ohne Worte… (Nachzulesen in den Ruhrnachrichten.)
Dieses Jahr hat man den nicht in der Gewerkschaft organisierten Erzieherinnen sicherheitshalber direkt den Zugang verweigert. In unserer Kita ist jetzt eine der 6 Notgruppen mit „fremden“ Erziehern. Seltsames Gefühl, wenn ich morgens vorbeigehe zum Laden (wenn ich nicht gerade Home-Office mache mit meiner 5-jährigen etc…., s.o.!)

Sollte der Streik nächste Woche auch noch weitergehen, werde ich mich so lange ans Telefon klemmen bis ich durchkomme bei der Notfallnummer. Beim letzten Mal habe ich nach 5 Stunden dauerbesetzt aufgegeben.

Fack ju, Ver.di!

ist die Überschrift eines Beitrags vom Blog Daddylicious. Kai Bösel schreibt: „Also, ihr lieben Leute von Ver.di und der VKA und ihr lieben trillerpfeifenden Erzieher: Strengt euch mal ein bisschen an und sorgt für eine schnelle Einigung, mit der alle Seiten leben können.“ Und da bin ich ganz seiner Meinung.
Und was meint Ihr?

Genervte Grüße… Yvette

PS: Verlinkt bei Frollein Pfau, diesmal ausnahmsweise als „Mittwochs mag ich NICHT“!!!

3 Kommentare

  1. Liebe Yvette,
    ich bin da ganz bei Dir. Ohne irgendjemand sein zustehendes Gehalt absprechen zu wollen, die Bildungsdiskussion jetzt anschüren zu wollen (zum Thema wir sind keine Basteltanten“ oder was auch immer) sind das Dinge die einfach nicht gehen. Man kann keine Kita für 3 Wochen oder gar noch länger einfach zumachen. Und dann noch den vollen Monatsnbeitrag dafür verlangen/abbuchen, damit die Gehälter weiterbezahlt werden können, ohne dass dafür irgendeine Leistung erbracht wird. Das geht einfach NICHT. Das geht genausowenig, wie wenn beispielsweise bei der Lufthansa gestreikt wird, Flüge gestrichen werden und die Passagiere ihr Geld nicht mehr zurück bekommen. Das kann doch alles nicht auf den Kosten der Bürger ausgetragen werden in der Hoffnung, die kriegen das schon so irgendwie hin. Nein das kriegen sie nicht! Denn das geht nicht und finde ich auch moralisch gesehen komplett daneben.

    Ich wünsche mir für Dich/Euch, dass nächste Woche alles wieder „normal“ läuft.. und weiterhin gute Nerven

    Liebe -mitfühlende- Grüße,
    Pamy

  2. „Mittwochs mag ich nicht“ muss auch mal sein! Gerade bei solch einem Thema.

    Ich finde das total schwierig, da ich einerseits absolut dafür bin, dass die Arbeit der Erzieher/innen angemessen vergütet wird, denn schließlich geben wir das Wichtigste das wir besitzen in ihre Obhut, und sie leisten wirklich großartige Arbeit, andererseits finde ich es schrecklich, dass es auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen wird.
    Ich muss ganz offen zugeben, dass ich verdammt froh, dass unsere Kita zu einem freien Träger gehört, denn ich wüsste absolut nicht wie wir das stemmen sollten. Unsere Familien wohnen weit weg, wir hätten nicht mehr genügend Urlaubstage und meinen Nerven wären nach 3 Wochen wohl auch am Ende. ….ganz abgesehen davon, was mein Arbeitgeber sagen würde.

    Ich hoffe wirklich sehr, dass hier zügig eine Einigung gefunden wird, die BEIDEN Seiten gerecht wird!

    Alles Gute für euch!!!

    Liebe Grüße,
    Vanessa

  3. Danke Euch für die lieben Kommentare, Pamy und Vanessa! Für nächste Woche habe ich einen Notfallplatz ergattert- die Zahl wurde hier in Dortmund auf 710 Plätze erhöht! Das ist doch schon mal was… Also, erstmal aufatmen…
    LG, Yvette

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